Gesundheit
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Was ein 10-Euro-Blutbildtest aus der Drogerie für Apotheken bedeutet

dm hat ein „großes Blutbild“ für 9,95 Euro verkauft, und auf der eigenen Seite steht jetzt, dass die Pilotaktion beendet ist. Die damit geweckten Preisvorstellungen sind aber nicht damit vorbei.
Titelbild Blogbeitrag
Geschrieben von
Noah Petermann
Veröffentlicht am
17. August 2026

Im August 2025 bot die Drogeriekette dm in einer Filiale in Karlsruhe ein großes Blutbild für 9,95 Euro an, wobei umfangreichere Untersuchungen etwa 70 Euro kosteten. Am 16. August 2026 trug die dm-eigene Serviceseite für dieses Angebot den Status „Pilotphase beendet“, das Pilotprojekt ist also beendet.

Der Preis hat das Pilotprojekt überdauert, denn ein Kunde, der von einem Bluttest für zehn Euro gelesen hat, nimmt diese Zahl mit in die Apotheke. Eine Apotheke, die preislich mit einer Drogerie konkurriert, verliert – und die Lösung besteht darin, mit dem zu punkten, was eine Drogerie nicht bieten kann.

Vier Dinge bleiben auch bei einem Preisvergleich unverändert: wer rechtlich befugt ist, eine venöse Blutentnahme (venöse Blutabnahme) durchzuführen, die Qualifikation der Person, die dem Kunden gegenübersteht, was passiert, wenn ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt, und die Medikamentenakte, die die Apotheke führt.

dm hat das Pilotprojekt mit den Bluttests nur in zwei Filialen durchgeführt

Der Service startete am 11. August 2025 in einer Filiale in Karlsruhe, wie APOTHEKE ADHOC berichtete, und wurde später in einer zweiten Filiale in Berlin-Charlottenburg angeboten. Es wurden elf Tests zu Preisen zwischen 9,95 Euro und 69,95 Euro angeboten, deren Ergebnisse über eine App abgerufen werden konnten. Die Blutentnahmen wurden von medizinischem Personal von Aware Health durchgeführt, und der Betrieb erfolgte laut Unterlagen in zwei Filialen.

Der Bluttest war nur ein Teil einer umfassenderen Initiative. dm bietet laut PTAheute über Skleo Health auch einen Augen-Check mit Netzhautfotografie für 14,95 Euro sowie eine Hautanalyse über den Teledermatologie-Anbieter dermanostic an, und im April 2026 berichtete t-online über Pläne, die Untersuchungen auf etwa 30 Filialen auszuweiten. Die Positionierung ist eher die eines „Gesundheitsnahversorgers“ als die eines Anbieters einzelner Tests.

Dann kam es auf Seiten des Anbieters zu Problemen. Aware Health beantragte am 21. Mai 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg ein vorläufiges Insolvenzverfahren, und dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer erklärte im Juni 2026, das Angebot sei als Pilotphase konzipiert gewesen und habe „wertvolle strategische Erkenntnisse“ geliefert.

Ärzte haben das Modell kritisiert, und Apotheker haben diese Kritik gelesen

PTAheute hat im September 2025 die wichtigsten Einwände zusammengetragen, und die sollte man eher lesen als bejubeln, denn manche gelten für jede Apotheke, die denselben Test verkauft. Dr. Dirk Heinrich vom Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands sagte, medizinische Diagnostik sei kein Konsumprodukt, das zwischen Babywindeln und Nagellack im Regal steht, und Markus Beier vom Hausärzteverband erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass medizinische Ressourcen verschwendet würden.

Parallel dazu läuft ein rechtliches Verfahren. Die Wettbewerbszentrale hat wegen der Augenuntersuchungen auf Grundlage des Heilpraktikergesetzes ein Verfahren gegen dm eingeleitet, und der Apothekeninhaber Nojan Nejatian hat im November 2025 bei der Landesapothekerkammer Hessen einen Prüfantrag gestellt, mit der Begründung, dass die Blutdiagnostik zu den Heilberufen gehöre.

Diese beiden Einwände gelten auch für eine Apotheke, denn ein Test ohne Indikation und ein Ergebnis ohne weitere Maßnahmen sind Probleme, egal wo sie auftreten. Eine Apotheke begegnet ihnen mit einer dokumentierten Aufklärung, einer Anamnese und einem Überweisungsweg.

Das deutsche Recht legt fest, wer in einer Apotheke venöses Blut entnehmen darf

Seit dem 2. Juli 2026 hat die venöse Blutentnahme eine eigene Rechtsgrundlage in § 11c ApoG, eingeführt durch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz, und die ApoVWG-Richtlinie legt die Rahmenbedingungen fest. Nur ein approbierter Apotheker darf die Entnahme nach einer bestätigten ärztlichen Schulung in seiner eigenen öffentlichen Apotheke bei Personen ab 18 Jahren und ausschließlich zu diagnostischen Zwecken durchführen. Die Punktion selbst darf an einen Pharmazeuten im Praktikum mit eigener ärztlicher Schulung delegiert werden, während ein PTA überhaupt kein Blut entnehmen darf. Diese Erlaubnis ist im ApoG verankert, an eine namentlich genannte Qualifikation gebunden und wird von einer Kammer beaufsichtigt.

Die Einordnung ist besonders wichtig, wenn ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt, denn der Apotheker, der den Befund liest, setzt ihn in Zusammenhang mit den Medikamenten des Kunden. Ein erhöhter Leberwert bei jemandem, der Statine nimmt, bekommt eine andere Bedeutung, sobald das Medikament bekannt ist – und keine Apotheke führt Aufzeichnungen über die abgegebenen Medikamente.

Ein Kundenvergleich, der sich anhand von fünf einfachen Fragen bewährt

Die Frage, die ein Kunde stellt Gesundheitscheck in der Drogerie, wie berichtet Bluttest in der Apotheke gemäß § 11c ApoG
Was kostet das? 9,95 Euro für ein großes Blutbild, bis zu 69,95 Euro Bei einer Selbstzahlerleistung legt die Apotheke den Preis selbst fest
Wer entnimmt die Blutprobe? Medizinisches Personal, das bei Aware Health angestellt ist Ein approbierter Apotheker nach einer ärztlichen Ausbildung
Wo wird das Ergebnis erklärt? In einer App ist die telemedizinische Beratung optional Persönlich mit dem Apotheker, der die Probe entnommen hat
Was passiert außerhalb des Referenzbereichs? Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg hat laut PTAheute die Nachsorgestrukturen kritisiert Der Apotheker vergleicht den Befund mit den Medikamenten und überweist den Patienten, falls erforderlich
Weiß der Anbieter, welche Medikamente ich nehme? Eine Drogerie führt keine Abgabeprotokolle Die Apotheke hat die Medikamentenübersicht

Das Drogeriemodell punktet wirklich in Sachen Komfort und Preis

Ein Beitrag, der das nicht anerkennt, ist nicht hilfreich. dm hat mehr Filialen als jede Apotheke, längere Öffnungszeiten und Kunden, die wegen eines Shampoos hereinkommen und mit einem vereinbarten Bluttest wieder gehen. Es gibt kein Rezept, und 9,95 Euro liegen im gleichen Preisbereich wie eine Gesichtscreme. Eine von t-online berichtete Deloitte-Umfrage ergab, dass 60 Prozent der Menschen in Deutschland Gesundheitsdienstleistungen im Einzelhandel attraktiv finden. Auch im Vergleich zum Versandhandel war der Preis allein für die Apotheke vor Ort nie das entscheidende Argument.

Eine Apotheke reagiert darauf eher mit einer neuen Positionierung als mit einer Preissenkung

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, das zu verkaufen, was eine Drogerie nicht anbieten kann. Ein Bluttest in einer Apotheke ist eine pharmazeutische Dienstleistung – auch wenn er privat abgerechnet wird –, und der Kunde bezahlt für die pharmazeutische Leistung: eine dokumentierte Anamnese, eine fundierte Präanalytik, ein akkreditiertes Labor und ein Gespräch über den Befund.

Bündelangebote sind effektiver als Rabatte, denn eine Blutuntersuchung im Rahmen einer Medikationsanalyse rechtfertigt einen Preis, der den Zeitaufwand des Apothekers widerspiegelt, und das wird im Leitfaden für Selbstzahlerleistungen abgedeckt. Vergleichende Aussagen gegenüber einem namentlich genannten Wettbewerber fallen unter das Heilmittelwerbegesetz (HWG), daher ist es für eine Apotheke sicherer, zu beschreiben, was sie tut, als zu sagen, was eine Drogerie nicht tut.

Eine Warteschlange bei zehn Euro ist der Beweis dafür, dass die Leute das wollen

Das Pilotprojekt hat eher ein Nachfragesignal als eine Wettbewerbsbedrohung ausgelöst. dm sagte, das Feedback sei sehr positiv gewesen, und die geplante Ausweitung auf etwa 30 Filialen erfolgte noch, bevor der Anbieter in die Insolvenz ging. Es wurden keine Kundenzahlen veröffentlicht, und die Insolvenz war eher auf die Bilanz des Anbieters zurückzuführen als auf ein Urteil über die Nachfrage. Was die Markteinführung jedoch gezeigt hat, ist, dass Verbraucher eine Blutuntersuchung in einem Geschäft buchen und selbst dafür bezahlen – was sich auch im Vergleich zwischen Selbsttests und Labortests widerspiegelt.

Eine Apotheke hat noch ein paar Dinge zu erledigen

Der erste Punkt ist die ärztliche Schulung, denn § 11c ApoG ist in Kraft und das Mustercurriculum der Bundesapothekerkammer, das bis zum 2. November 2026 vorliegen muss, ist keine Voraussetzung für den Start. Der zweite Punkt sind die Räumlichkeiten, die Standardarbeitsanweisungen im QMS und die Meldung bei der Landesbehörde mindestens eine Woche vor der ersten Ziehung. Der dritte Punkt ist der Preis und das Paket, gemessen an der Arbeitszeit des Apothekers.

Apotheker stellen diese Fragen zum Bluttest in der Drogerie

Gibt es den DM-Bluttest im August 2026 noch?

Nein. Auf der dm-eigenen Serviceseite zur „Aware Health Blutanalyse“ steht der Status „Pilotphase beendet“ – überprüft am 16. August 2026. Der Anbieter hat am 21. Mai 2026 ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt, und dm bezeichnete das Angebot als Pilotphase.

Sollte eine Apotheke den Preis von zehn Euro anbieten?

Das zu decken ist sehr schwer, denn 9,95 Euro reichen nicht aus, um die Arbeitszeit des Apothekers, die Präanalytik und die Laborkosten in einer Apotheke zu decken. Eine Blutuntersuchung in einer Apotheke ist eine Selbstzahlerleistung, daher legt die Apotheke ihren Preis selbst fest, und die pharmazeutische Arbeit rund um das Ergebnis macht den Unterschied aus.

War die Drogerie- Blutabnahme -Aktion rechtmäßig?

Diese Frage ist noch offen. Die Wettbewerbszentrale hat wegen der Augenuntersuchung auf Grundlage des Heilpraktikergesetzes ein Verfahren gegen dm eingeleitet, und Nojan Nejatian hat im November 2025 einen Prüfantrag bei der Landesapothekerkammer Hessen gestellt. Es gibt keine veröffentlichten Informationen, die Klarheit schaffen.

Darf ein PTA Blut abnehmen, wenn die Apotheke diesen Service anbietet?

Nein. Gemäß § 11c ApoG darf nur ein approbierter Apotheker die venöse Blutentnahme durchführen, nachdem er eine bestätigte ärztliche Schulung absolviert hat. Die Punktion selbst darf an einen Pharmazeuten im Praktikum mit eigener ärztlicher Schulung delegiert werden, und ein PTA darf lediglich bei der Vorbereitung und Dokumentation helfen.

Dies sind allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Geschäftspraxis, keine Rechtsberatung. Über Einzelfälle entscheidet die zuständige Apothekerkammer oder ein Rechtsanwalt.

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