Ein Antikoagulans ist der Zusatzstoff in einem Blutentnahmeröhrchen, der verhindert, dass die Probe nach der Entnahme gerinnt. EDTA, Citrat und Heparin werden jeweils für unterschiedliche Analysen verwendet, während ein Serummröhrchen keinen solchen Zusatz enthält, da diese Probe gerinnen soll.
Ein Antikoagulans ist der Zusatzstoff im Blutentnahmeröhrchen, der verhindert, dass die Probe gerinnt, sobald sie aus der Vene entnommen wurde. Blut beginnt schon innerhalb von Sekunden nach der Entnahme zu gerinnen, daher muss das Röhrchen chemisch eingreifen – sonst würde im Labor nur ein Gerinnsel mit etwas Flüssigkeit drumherum ankommen. Die Farbe des Verschlusses zeigt an, welcher Zusatzstoff enthalten ist, und daraus ergibt sich die Reihenfolge, in der die Röhrchen befüllt werden.
Drei Zusatzstoffe decken den Großteil der Routineuntersuchungen ab. EDTA bindet Kalzium und wird für das Blutbild und für HbA1c verwendet, da es die Form der Zellen bewahrt. Citrat bindet ebenfalls Kalzium, allerdings reversibel, was für Gerinnungstests erforderlich ist, und ein Citratröhrchen muss exakt bis zur Markierung befüllt werden, da das Verhältnis von Citrat zu Blut Teil der Methode selbst ist. Heparin hemmt Thrombin und wird in der Plasmachemie verwendet, wenn ein Ergebnis gewünscht wird, ohne auf die Bildung eines Gerinnsels zu warten. Ein Serumröhrchen enthält überhaupt kein Antikoagulans, sondern nur einen Gerinnungsaktivator und oft ein Trenngel, da bei dieser Analyse die Probe vollständig gerinnen und anschließend zentrifugiert werden soll.
Die Folgen für eine Apotheke sind gravierender, als es zunächst den Anschein hat. Ein falsches Röhrchen führt nicht nur zu einem leicht verschobenen Wert, den man noch berücksichtigen könnte. Wenn EDTA in ein Serumröhrchen gelangt, treibt es den Kaliumwert in die Höhe und senkt den Kalziumwert auf Werte, die nichts mit der Person zu tun haben, die auf dem Stuhl saß. Ein zu wenig befülltes Citratröhrchen verlängert die Gerinnungszeiten. Keines der beiden Ergebnisse lässt sich nachträglich korrigieren, daher wird die Probe zurückgewiesen und der Kunde gebeten, wiederzukommen – weshalb die Röhrchenauswahl eher zur Präanalytik als zur Analyse gehört.
Zwei weitere Punkte sind in der täglichen Praxis wichtig. Das Mischen ist ein wesentlicher Bestandteil der Verarbeitung des Additivs – daher muss jede Röhrchen so oft wie vom Hersteller angegeben vorsichtig auf den Kopf gestellt werden; ein Röhrchen stattdessen kräftig zu schütteln, führt häufig zur Hämolyse. Das Additiv gibt auch einen Zeitrahmen vor, denn manche Parameter lassen sich über Stunden hinweg messen, während andere eine Zentrifugation kurz nach der Entnahme erfordern – und das ist eine Frage, die man mit der Probenlogistik klären sollte, bevor man den ersten Termin bucht.
Das Labor entscheidet, welches Röhrchen für welchen Parameter verwendet wird, nicht die Apotheke. Es stellt die Röhrchen bereit, gibt die Reihenfolge der Befüllung und das Volumen an, und eine Apotheke, die eine venöse Blutentnahme plant, fragt vor Beginn schriftlich nach dieser Liste.
Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.