Rollen und Ausbildung

Nadelstichverletzung

In einem Satz

Eine Nadelstichverletzung ist eine Stichverletzung, bei der eine benutzte Kanüle oder ein anderes scharfes Objekt die Haut eines Teammitglieds durchdringt. In einer Apotheke, die Blut abnimmt, gilt dies als Arbeitsunfall und folgt einem festen Meldeablauf.

Eine Nadelstichverletzung passiert, wenn eine benutzte Kanüle, eine Lanzette oder ein zerbrochenes Röhrchen die Haut der Person durchdringt, die damit arbeitet. In der Apotheke ist dieses Risiko eng umgrenzt und vorhersehbar.

Es entsteht während des Einstichs und weitet sich beim Wechseln des Röhrchens; am größten ist es in den Sekunden zwischen dem Austreten der Kanüle aus der Vene bei einer venösen Blutentnahme und dem Erreichen des Abfallbehälters. Routine schützt hier nicht, denn die meisten gemeldeten Vorfälle betreffen Personal, das diesen Eingriff schon hunderte Male durchgeführt hat.

Die ersten Minuten folgen einem festen Ablauf:

  1. Lass die Einstichstelle kurz nachbluten, anstatt sie zuzudrücken.
  2. Spüle die Stelle ab und behandle sie mit einem alkoholbasierten Desinfektionsmittel für die auf dem Produkt angegebene Einwirkzeit.
  3. Lass das umliegende Gewebe in Ruhe, denn Quetschen oder Schrubben gehört nicht dazu.
  4. Decke die Wunde ab, sobald das Desinfektionsmittel vollständig eingewirkt ist.
  5. Spüle sofort und gründlich, wenn Blut ins Auge, in den Mund oder auf verletzte Haut gerät.

Nichts über diesen Ablauf hinaus gehört in die Hände des Apothekensteams.

Eine Nadelstichverletzung ist ein Arbeitsunfall und wird von der Apotheke auch so dokumentiert. Sie wird mit Uhrzeit, Tätigkeit und den Umständen ins Verbandbuch eingetragen, und die verletzte Person geht noch am selben Tag zum Durchgangsarzt und nicht erst in der nächsten Woche.

Der Durchgangsarzt übernimmt den Fall für den Unfallversicherungsträger, veranlasst die Blutuntersuchung zu Beginn und entscheidet über alle weiteren Schritte. Diese Entscheidung ist medizinisch und verbleibt beim Arzt. Die Blutprobe wird normalerweise der verletzten Person abgenommen und von der Person, deren Blut abgenommen wurde, nur dann, wenn diese zustimmt. Die Zustimmung dafür muss also ausdrücklich eingeholt werden und wird nie vorausgesetzt.

Das Ereignis als kleine Schramme abzutun ist der klassische Fehler. Genau das führt später dazu, dass ein Mitarbeiter keinen Schutz hat, weil eine nie gemeldete Verletzung Monate später kaum noch nachweisbar ist.

Prävention ist klar geregelt und keine reine Geschmackssache. TRBA 250 schreibt Kanülen mit integriertem Sicherheitsmechanismus vor, verbietet das Wiederaufsetzen von Schutzkappen (Recapping) und verlangt einen Abfallbehälter in Reichweite des Sitzplatzes, während Persönliche Schutzausrüstung und die Abläufe unter Hygiene bei der Blutentnahme den Rest abdecken.

Eine Apotheke, die diesen Ablauf an einem ruhigen Morgen einmal vorab geübt hat, geht mit einem echten Notfall viel besser um als eine, die im Ordner blättert, während die Wunde noch offen ist.

Dieser Glossaressorteil dient als allgemeine Information zum deutschen Apothekenrecht und zur Praxisführung. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich an deine Landesapothekerkammer.

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