Aufgaben und Schulungen

Nadelstichverletzung

In einem Satz

Eine Nadelstichverletzung ist eine Stichverletzung, bei der eine gebrauchte Kanüle oder ein anderer scharfer Gegenstand die Haut eines Mitarbeiters durchsticht. In einer Apotheke, in der Blut abgenommen wird, gilt dies als Arbeitsunfall und unterliegt einem festgelegten Meldeverfahren.

Eine Nadelstichverletzung entsteht, wenn eine gebrauchte Kanüle, eine Lanzette oder ein zerbrochenes Probenröhrchen die Haut der Person durchsticht, die damit hantiert. In einer Apotheke ist das Expositionsfenster eng und vorhersehbar. Es öffnet sich während der Punktion, weitet sich beim Austausch des Röhrchens und ist in den Sekunden nach dem Herausziehen der Kanüle aus der Vene bei einer venösen Blutentnahme am breitesten, bevor sie den Entsorgungsbehälter erreicht. Die Routine bietet hier keinen Schutz. Die meisten gemeldeten Vorfälle betreffen Mitarbeiter, die den Vorgang bereits hunderte Male durchgeführt haben.

Die ersten Minuten folgen einem bestimmten Ablauf. Die Blutung aus der Wunde darf zunächst kurz weiterlaufen, anstatt sie zu stoppen, und die Stelle wird dann abgespült und mit einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel für die auf dem Produkt angegebene Einwirkzeit behandelt. Das Ausdrücken oder Schrubben des umliegenden Gewebes ist nicht Teil des Ablaufs. Die Wunde wird anschließend abgedeckt. Wenn Blut in ein Auge, den Mund oder auf andere verletzte Hautstellen gelangt, muss sofort und reichlich gespült werden. Mehr als das gehört nicht in den Aufgabenbereich des Apothekenpersonals.

Eine Nadelstichverletzung ist ein Arbeitsunfall, und die Apotheke dokumentiert sie auch als solchen. Sie wird mit Uhrzeit, Tätigkeit und Umständen ins Verbandbuch eingetragen, und die verletzte Person wird noch am selben Tag – und nicht erst in der folgenden Woche – zu einem Durchgangsarzt geschickt. Der Durchgangsarzt übernimmt den Fall für den Unfallversicherungsträger, veranlasst die Basis-Serologie und entscheidet über weitere Schritte. Diese Entscheidung ist medizinischer Natur und liegt allein beim Arzt. Die Serologie wird normalerweise bei der verletzten Person durchgeführt und nur dann bei der Person, deren Blut entnommen wurde, wenn diese damit einverstanden ist. Die Einwilligung dazu wird ausdrücklich eingeholt und niemals vorausgesetzt.

Das Ereignis als „Kratzer“ abzutun, ist ein häufiger Fehler – und genau der kostet einen Mitarbeiter später seinen Versicherungsschutz, denn eine Verletzung, die nie gemeldet wurde, lässt sich Monate später nur schwer zuordnen. Prävention ist geregelt und nicht dem eigenen Ermessen überlassen. TRBA 250 schreibt Kanülen mit integriertem Sicherheitsmechanismus vor, verbietet das Wiederaufsetzen der Schutzkappe und schreibt vor, dass der Entsorgungsbehälter in Reichweite des Sitzes stehen muss. Persönliche Schutzausrüstung und die umfassenderen Routinen, die unter „Hygiene bei der Blutentnahme“ festgelegt sind, regeln den Rest. Eine Apotheke, die den Ablauf schon einmal im Voraus an einem ruhigen Morgen durchgegangen ist, bewältigt den tatsächlichen Vorfall weitaus besser als eine, die erst die Anleitung liest, während die Wunde noch offen ist.

Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.

Mehr erfahren
Lies nach, wer in einer Apotheke Blut abnehmen darf
Lies den Leitfaden
Verwandte Begriffe
Diagnostik in deiner Apotheke
Aniva sorgt für das Labornetzwerk, die Testkits, den Versand und die Datenschutzunterlagen. Deine Apotheke bietet die venöse Blutentnahme und pharmazeutische Dienstleistungen unter eigenem Namen an. Standardergebnisse sind in der Regel innerhalb von 10 Tagen in der App verfügbar.
Eine Demo buchen
Mehr erfahren

Schau dir an, wie die Diagnostik in deiner Apotheke aussehen würde