Aufgaben und Schulungen

Postexpositionsprophylaxe

In einem Satz

Die Postexpositionsprophylaxe ist die medizinische Nachsorge nach einem möglichen Kontakt mit fremdem Blut oder infektiösem Material. Sie wird in Betracht gezogen, noch bevor eine Übertragung bekannt ist. Deshalb ist sie zeitkritisch, und deshalb entscheidet ein Arzt – und nicht die Apotheke – darüber.

Die Postexpositionsprophylaxe, meist abgekürzt als PEP, ist die medizinische Maßnahme, die nach einem möglichen Kontakt mit fremdem Blut oder anderem potenziell infektiösen Material ergriffen wird. Es handelt sich dabei um eine Prophylaxe und nicht um eine Behandlung, da sie in Betracht gezogen wird, bevor überhaupt feststeht, ob eine Übertragung stattgefunden hat. In einer Apotheke, in der Blut abgenommen wird, ist der Auslöser fast immer eine Nadelstichverletzung, ein Schnitt durch ein zerbrochenes Probenröhrchen oder Blut, das ins Auge, in den Mund oder auf verletzte Haut gelangt.

Das entscheidende Merkmal ist die Zeit. Das Zeitfenster, in dem eine Vorbeugung noch Einfluss auf den Ausgang nehmen kann, wird eher in Stunden als in Tagen gemessen, und bei manchen Verletzungen entfaltet sich die Wirkung vor allem in den ersten Stunden. Wenn man bis zum nächsten Morgen wartet, oder bis der Laden schließt, oder bis die verletzte Person ihre Schicht beendet hat, kann diese Möglichkeit komplett verpasst werden. Deshalb wird die Vorgehensweise im Voraus festgelegt und nicht erst besprochen, während jemand mit einem blutenden Finger am Waschbecken steht.

Die Entscheidung selbst liegt nicht bei der Apotheke. Die Expositionsbewertung, die Beurteilung der Quelle und die Entscheidung, ob eine Prophylaxe angezeigt ist, sind Aufgabe eines Arztes – normalerweise des für die Apotheke benannten Durchgangsarztes oder, außerhalb der Öffnungszeiten, des für den Bezirk zuständigen Krankenhauses. Das gilt auch dann, wenn das Team pharmazeutisch ausgebildet ist und die entsprechenden Produkte vielleicht nur ein paar Meter entfernt im Regal stehen. Die Begründung einer Empfehlung oder die Nennung eines Wirkstoffs gegenüber einem Kollegen in diesem Moment fällt nicht in den Aufgabenbereich und trägt nichts zu dem bei, was der Arzt benötigt.

Was die Apotheke beiträgt, sind Schnelligkeit, Informationen und Dokumentation. Schnelligkeit bedeutet, dass die verletzte Person sofort – gegebenenfalls in Begleitung – zur angegebenen Adresse aufbricht, anstatt erst, wenn die Warteschlange abgearbeitet ist. Informationen bedeuten, dass der Arzt die Fakten erhält, die für die Beurteilung entscheidend sind: welches Gerät beteiligt war, was gerade gemacht wurde, wie tief die Verletzung reichte, ob die Kanüle in einem Gefäß steckte, die genaue Uhrzeit und den Impfstatus der verletzten Person. Dokumentation bedeutet den Eintrag ins Verbandbuch und den Arbeitsunfallbericht noch am selben Tag, denn ein Vorfall, der erst Wochen später aufgeschrieben wird, lässt sich nur schwer zuordnen.

Die Route im Voraus zu kennen, ist der Teil, der vollständig in der Hand der Apotheke liegt. Name, Adresse und der Kontakt für den Notdienst des Durchgangsarztes gehören an die Wand neben die Station und nicht in einen Ordner, und der Rundgang findet an einem ruhigen Morgen statt. Die Pflicht, dies zu organisieren, liegt gemäß der Biostoffverordnung beim Arbeitgeber, und die TRBA 250 beschreibt dies neben den Anforderungen an Ausrüstung und Unterweisung. Die unter „Hygiene bei der Blutentnahme“ festgelegte tägliche Routine sorgt dafür, dass die Frage hypothetisch bleibt – was bei weitem die kostengünstigste Lösung ist.

Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.

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