Recht & Fristen

Biostoffverordnung

In einem Satz

Die Biostoffverordnung regelt Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Deutschland. Sie verlangt eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung vor der ersten Blutabnahme, ordnet die Tätigkeit einer Schutzstufe zu und verpflichtet den Arbeitgeber zu regelmäßigen Unterweisungen.

Die Biostoffverordnung regelt Arbeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Deutschland. Sie basiert auf dem Arbeitsschutzgesetz und gilt für alle Tätigkeiten, bei denen Personal mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten in Kontakt kommen kann. Eine Blutabnahme fällt als nicht gezielte Tätigkeit darunter, da die in einer Probe möglicherweise enthaltenen Erreger vorher nicht bekannt sind und nicht den Zweck der Arbeit darstellen. Genau wegen dieser Einordnung gilt die Verordnung für eine Apotheke, sobald sie einen Service für Blutabnahmen anbietet.

Diese Pflicht gilt vor der ersten Blutabnahme und nicht erst danach. Der Arbeitgeber erstellt eine Gefährdungsbeurteilung, hält sie schriftlich fest und aktualisiert sie bei relevanten Änderungen. Die Beurteilung ordnet die Tätigkeit einer Schutzstufe zu, wobei die Blutabnahme im ambulanten Bereich normalerweise der Schutzstufe 2 zugeordnet wird.

Die daraus folgenden Schutzmaßnahmen werden in einer festen Reihenfolge umgesetzt:

  1. Technische Maßnahmen stehen an erster Stelle, was bedeutet: sicherere Ausrüstung geht vor allem anderen.
  2. Organisatorische Maßnahmen folgen als Nächstes, sobald die technischen Optionen ausgeschöpft sind.
  3. Erst danach kommt persönliche Schutzausrüstung zum Einsatz, die den Einzelnen schützt, aber niemals sicherere Arbeitsmittel ersetzt.

Die zweite Pflicht ist die Unterweisung. Mitarbeiter werden vor Aufnahme ihrer Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich mündlich, arbeitsplatzbezogen und nachweislich unterwiesen. Für die Tätigkeit muss eine schriftliche Betriebsanweisung vorliegen, und es ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge gemäß den für die Schutzstufe geltenden Regeln anzubieten oder zu organisieren. Im Alltag bestimmt die Verordnung auch das Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung, da ein solcher Vorfall die Überarbeitung der Gefährdungsbeurteilung erfordert.

Das Verhältnis zur TRBA 250 wird in der Praxis oft unklar gesehen. Die Verordnung legt die Pflicht fest und bleibt bewusst allgemein, während die technische Regel beschreibt, wie diese Pflicht konkret umzusetzen ist – bis hin zu Sicherheitskanülen und Entsorgungsbehältern. Die Verordnung ist die Vorgabe und die Regel ist der Weg, sodass die Einhaltung der Regel vermuten lässt, dass die Vorgabe erfüllt ist.

Für die Apotheke ist das Ergebnis all dessen eher ein Arbeitsdokument als ein Aktenordner, da die Maßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung in die Standardarbeitsanweisung gehören, die das Team tatsächlich am Stuhl anwendet. Andernfalls beschreibt die Beurteilung eine Apotheke, die so gar nicht existiert.

Dieser Glossaressorteil dient als allgemeine Information zum deutschen Apothekenrecht und zur Praxisführung. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich an deine Landesapothekerkammer.

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