Eine Butterfly-Kanüle ist ein Infusionsset mit Flügeln und flexiblem Schlauch, das für venöse Blutentnahmen an kleinen oder schwer zugänglichen Venen verwendet wird. Sie ermöglicht einen flachen Einstichwinkel und eine sicherere Handhabung, ist jedoch teurer und bringt eigene Probleme bei der Probenentnahme mit sich.
Eine Butterfly-Kanüle ist ein Flügel-Infusionsset, bestehend aus einer kurzen Kanüle mit zwei Kunststoffflügeln und einem Stück flexiblem Schlauch, der in einem Anschluss für die Entnahmeröhrchen endet. Die Flügel ermöglichen es der Person, die die Blutentnahme durchführt, die Kanüle flach und in einem flachen Winkel auf der Haut anzulegen, und dank des Schlauchs erfolgt der Schlauchwechsel am anderen Ende statt an der Einstichstelle. Diese Kombination ist der Grund, warum man bei kleinen, empfindlichen oder wandernden Venen, am Handrücken und bei Menschen, bei denen die Arme schwer zu behandeln sind, darauf zurückgreift.
Die Kompromisse sind eher praktischer als dramatischer Natur. Ein Set mit Flügeln kostet pro Entnahme mehr als ein gerader Halter und erfordert einen zusätzlichen Schritt bei der Entsorgung, da der Sicherheitsmechanismus aktiviert werden muss, bevor das Set in den Abwurfbehälter gelangt. Der Schlauch selbst enthält ein kleines Luftvolumen, und dieses Totvolumen wird durch das erste Blut gefüllt, das in das Set fließt. Wird zuerst ein Citratröhrchen zur Gerinnungsuntersuchung entnommen, nimmt es diese Luft anstelle von Blut auf und wird dadurch nicht vollständig gefüllt, was das für die Methode entscheidende Verhältnis ungültig macht. Die übliche Lösung ist, zuerst ein Verwerfröhrchen zu entnehmen, damit der Schlauch vor dem Befüllen des Citratröhrchens vorgespült wird. Das sollte in der schriftlichen Standardarbeitsanweisung festgehalten werden und nicht erst vor Ort entschieden werden.
Es ist auch nicht automatisch die schonendere Variante. Das Lumen ist eng und der Schlauch lang, sodass sich das Blut langsamer und unter stärkerer Scherung bewegt – in Kombination mit einem Vakuumschlauch an einer dünnen Vene erhöht das eher das Risiko einer Hämolyse, anstatt es zu senken. Bei einer langsameren Entnahme bleibt die Probe zudem länger mit dem Zusatzstoff in Kontakt, bevor sie vermischt wird. Bei sorgfältiger Handhabung ist das Set ein hervorragendes Hilfsmittel bei einer schwierigen Vene. Wird es jedoch routinemäßig verwendet, nur weil es sich sicherer anfühlt, verlagert es den Fehlerpunkt lediglich von der Punktion auf die Probe.
Für eine Apotheke liegt die Wahl bei der venösen Blutentnahme, für die eine ärztliche Ausbildung erforderlich ist, bevor sie überhaupt angeboten werden darf, und für ein kleines Untersuchungsprogramm ist die Alternative oft stattdessen die kapillare Blutentnahme. Welche Sets und Röhrchen verwendet werden, wird im Voraus mit dem Labor abgesprochen und im Rahmen der Präanalytik dokumentiert.
Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.