Rollen und Ausbildung

Anamnese vor der Blutentnahme

In einem Satz

Die Anamnese vor der Blutentnahme ist die kurze, strukturierte Befragung, die eine Apotheke vor einer Blutabnahme durchführt. Sie klärt Themen wie Blutverdünner, Gerinnungsprobleme, frühere Ohnmachten und den Arm, der geschont werden muss. Sie entscheidet, ob heute überhaupt Blut abgenommen wird, und dient als Sicherheitscheck statt als Diagnose.

Die Anamnese vor der Blutentnahme ist ein kurzer, fester Fragenkatalog, der abgearbeitet wird, bevor überhaupt jemand nach dem Stauschlauch greift. Sie dient als Sicherheitscheck und nicht als ärztliche Untersuchung. Die Apotheke entscheidet dabei nur eins: ob heute überhaupt Blut abgenommen werden kann und unter welchen Bedingungen. Sie bildet sich dadurch kein Urteil über den allgemeinen Gesundheitszustand der Person.

Es sind nur wenige Fragen, die jedes Mal gleich bleiben. Genau deshalb gehören sie als fester Bogen in die Standardarbeitsanweisung und nicht ins Gedächtnis des jeweiligen Mitarbeiters:

  • Ob die Person blutverdünnende Medikamente nimmt und welche das sind, ist wichtig, da die Einstichstelle danach länger gedrückt werden muss.
  • Ob eine Gerinnungsstörung bekannt ist, muss jedes Mal gefragt werden.
  • Ob schon einmal jemand bei einer Blutabnahme oder beim Anblick von Blut ohnmächtig geworden ist, ist wichtig, denn Kreislaufreaktionen sind hier der häufigste Zwischenfall. Eine vorher eingenommene Liegeposition macht die Sache viel entspannter.
  • Ob ein Arm geschont werden muss, gilt nach Brustoperationen mit Lymphknotenentfernung, auf der Seite eines Dialyseshunts sowie bei frischen Verletzungen oder Infusionen.
  • Ob gegessen wurde, spielt eine Rolle, wenn die gewünschten Werte Nüchternheit erfordern.
  • Wie sich die Person gerade fühlt, ist die letzte Frage.

Das alles führt zu keinem Urteil über die Person. Eine Antwort ändert entweder die Vorgehensweise – wie etwa eine Liegeposition und längeres Drücken –, verschiebt die Blutabnahme auf einen anderen Tag oder führt dazu, dass die Apotheke ablehnt und den Kunden an einen Arzt verweist. Eine Ablehnung ist ein völlig normales Ergebnis, das sich für das Team auch so anfühlen sollte.

Die Anamnese wird oft mit Aufklärung und Einwilligung verwechselt. Beides passiert nacheinander, hat aber völlig unterschiedliche Aufgaben. Bei der Anamnese gibt der Kunde der Apotheke die Infos, die sie für ihre Entscheidung braucht, während die Einwilligung dem Kunden die Infos gibt, die er für seine Entscheidung braucht. Beides wird dokumentiert und aufbewahrt.

Zwei Gewohnheiten machen in der Praxis den Unterschied, und beide drehen sich um die Dokumentation. Die Antworten werden aufgeschrieben statt gemerkt, denn eine nicht dokumentierte Frage ist im Falle einer späteren Haftung von einer nie gestellten Frage nicht zu unterscheiden. Der Check wird bei jedem Termin neu gemacht, statt einfach aus der Akte kopiert zu werden, da sich Medikamente zwischen den Besuchen ändern können. Bei einer venösen Blutentnahme sind die Fragen zu Blutverdünnern und Ohnmacht am wichtigsten.

Dieser Glossaressorteil dient als allgemeine Information zum deutschen Apothekenrecht und zur Praxisführung. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich an deine Landesapothekerkammer.

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