Gesundheit
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Was Kritiker zur Apothekenreform sagen und was sie wirklich bringt

Das ApoVWG ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft und wird heftig diskutiert. Dieser Beitrag stellt die Hauptkritikpunkte den neuen Chancen für Apotheken gegenüber, ohne eine Seite zu bevorzugen.
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Verfasst von
Noah Petermann
Veröffentlicht am
5. August 2026

Das Apothekenreformgesetz (ApoVWG) ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft und wird kontrovers diskutiert. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Kritikpunkte den neuen Chancen für Apotheken sachlich gegenüber, ohne eine Seite zu bevorzugen.

Warum wird die Apothekenreform kritisiert?

Die Kritik an der ApoVWG richtet sich vor allem gegen zusätzlichen Bürokratieaufwand durch neue Standardarbeitsanweisungen, offene Haftungsfragen bei der venösen Blutabnahme und die Sorge, dass Personal und Platz für neue Aufgaben in vielen Apotheken knapp sind. Befürworter sehen darin dagegen neue Einnahmequellen und ein schärferes Betreuungsprofil.

Die Debatte verläuft nicht in festen Lagern. Selbst Apotheken, die neue Angebote prinzipiell begrüßen, äußern Bedenken bei den Umsetzungsfristen oder bezüglich der Verantwortung im Team. Die folgenden Abschnitte ordnen die einzelnen Argumente ein – jeweils basierend auf der tatsächlichen Gesetzeslage.

Welche Kritikpunkte an der ApoVWG werden konkret genannt?

Am häufigsten werden der organisatorische Aufwand durch neue Standardarbeitsanweisungen, ungeklärte Haftungsdetails bei der venösen Blutabnahme, der Schulungsaufwand für das Personal sowie die Sorge genannt, dass es kleinere Apotheken schwerer haben als große Ketten.

Die Übersicht unten fasst die häufigsten Kritikpunkte zusammen, damit du sie den tatsächlichen Möglichkeiten der Reform gegenüberstellen kannst.

Die Hauptkritikpunkte an der Reform
Kritik Beschreibung
Bürokratie Neue Standardarbeitsanweisungen (SOP) müssen innerhalb von zwei Monaten nach Inkrafttreten vorliegen.
Haftung Bei der venösen Blutabnahme müssen Haftungsfragen im Praxisalltag noch geklärt werden, zum Beispiel mit dem Betriebshaftpflichtversicherer.
Personalaufwand Nur approbierte Apotheker dürfen nach einer Schulung venöses Blut abnehmen; PTA sind dafür nicht vorgesehen.
Ungleiche Startbedingungen Größere Apotheken oder Verbünde können Raum und Personal oft leichter umorganisieren als kleine Einzelapotheken.
Offene Vergütung Die fünf neuen pharmazeutischen Dienstleistungen befinden sich noch in Preisverhandlungen, weshalb ein verlässlicher Einnahmenrahmen bisher fehlt.

Welche Chancen bietet die Reform für Apotheken?

Die Reform erweitert das Angebot der Apotheke um die venöse Blutabnahme nach einer Schulung sowie um fünf neue pharmazeutische Dienstleistungen. Das kann Apotheken als niederschwellige Anlaufstelle für Gesundheit stärken, zusätzliche Beratungsanlässe schaffen und die Bindung zu Stammkunden vertiefen.

Kapillarmessungen, zum Beispiel mit Systemen wie Tasso+, sind heute bereits in bestehenden Angeboten möglich und erfordern kein Training für venöse Blutabnahmen. Apotheken können sie nutzen, um erste Erfahrungen mit Bluttests als Beratungsanlass zu sammeln, noch bevor das Mustercurriculum fertig ist – unabhängig von einem späteren Schritt zur venösen Blutabnahme.

Wie hängen Bürokratieaufwand und neue Einnahmen zusammen?

Der bürokratische Aufwand entsteht kurzfristig durch Fristen für SOP, Schulungen und die Vergütungsverhandlung. Neue Einnahmen aus der Blutabnahme oder den pharmazeutischen Dienstleistungen hängen hingegen vom jeweiligen Angebot der Apotheke ab und lassen sich erst verlässlich beziffern, wenn die Honorarverhandlungen abgeschlossen sind.

Der pDL-Vergütungstopf lag im März 2026 bei rund 537 Millionen Euro für insgesamt zehn Dienstleistungen – fünf davon mit festen Preisen und fünf in der Verhandlung. Wie sich das für eine einzelne Apotheke auswirkt, hängt davon ab, welche Services sie anbietet und wie viele Patienten sie erreicht. Eine pauschale Aussage zur Wirtschaftlichkeit lässt sich erst dann seriös treffen, wenn die Vergütung für die neuen Dienstleistungen geklärt ist.

Wie können Apotheken mit der Ungewissheit umgehen?

Apotheken können sich organisatorisch vorbereiten, ohne auf jede offene Frage zu warten. Es ist sinnvoll, frühzeitig die eigenen Räumlichkeiten und das Team zu prüfen, Fristen im Blick zu behalten und Haftungs- sowie Datenschutzfragen rechtlich klären zu lassen.

  1. Fristen im Blick behalten: SOP, Mustercurriculum und Vergütungsverhandlungen laufen ab dem 2. Juli 2026.
  2. Lege Team und Rollen frühzeitig fest, da die venöse Blutabnahme approbierten Apothekern vorbehalten bleibt.
  3. Haftungsfragen vorab mit dem Betriebshaftpflichtversicherer und einer Rechtsberatung klären.
  4. Erfahrungen mit kapillaren Angeboten sammeln, die schon heute ohne venöse Schulung möglich sind.
  5. Die Vergütung der neuen pDL abwarten, bevor feste Umsatzerwartungen kommuniziert werden.

Ist die Kritik an der Reform berechtigt?

Ein Teil der Kritik betrifft reale Fristen und im Gesetz angelegte offene Punkte, wie etwa die noch ausstehende Vergütung für neue Leistungen. Andere Sorgen, wie die praktische Machbarkeit in kleinen Apotheken, lassen sich erst abschließend bewerten, wenn das Mustercurriculum vorliegt und es erste Praxiserfahrungen gibt.

Für eine nüchterne Einschätzung lohnt sich der Blick in Primärquellen wie das Bundesministerium für Gesundheit und die ABDA, statt sich nur auf Stimmungen zu verlassen. Aniva ist kein Impfanbieter und bietet keine Rechtsberatung. Wir liefern die diagnostische Infrastruktur, mit der Apotheken Blutuntersuchungen in ihr Angebot integrieren können – von der Probenlogistik bis zum verständlichen Ergebnisbericht.

Häufig gestellte Fragen

Ist das ApoVWG endgültig oder kann sich noch etwas ändern?

Das ApoVWG ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft. Einzelne Umsetzungsdetails, zum Beispiel die Vergütung der fünf neuen pharmazeutischen Dienstleistungen, werden erst in den folgenden Monaten verhandelt. Das Gesetz selbst steht, die praktische Ausgestaltung folgt Schritt für Schritt durch die festgelegten Fristen.

Müssen Apotheken die neuen Leistungen anbieten?

Nein. Das ApoVWG schafft zwar nach einer Schulung die rechtliche Möglichkeit für die Blutabnahme und neue pharmazeutische Dienstleistungen, verpflichtet aber keine Apotheke dazu. Ob und in welchem Umfang eine Apotheke das Angebot nutzt, bleibt eine unternehmerische Entscheidung vor Ort.

Wer haftet, wenn bei einer Blutabnahme in der Apotheke etwas schiefgeht?

Haftungsfragen rund um die venöse Blutabnahme müssen im Apothekenalltag noch im Detail geklärt werden, unter anderem über die Betriebshaftpflichtversicherung der Apotheke. Grundvoraussetzung ist die ärztlich geleitete Schulung nach dem Mustercurriculum, die spätestens zum 2. November 2026 vorliegen muss. Apotheken sollten konkrete Haftungsfragen vorab mit einer Rechtsberatung klären.

Benachteiligt die Reform kleine Apotheken gegenüber großen Ketten?

Das ist einer der genannten Kritikpunkte, lässt sich aber nicht pauschal beziffern. Größere Verbünde können Platz und Personal oft flexibler anpassen, während kleinere Apotheken häufig bei der persönlichen Kundenbindung punkten. Wie sich das im Alltag auswirkt, zeigt erst die praktische Umsetzung der neuen Regeln.

Ersetzt die neue Apothekenleistung den Arztbesuch?

Nein. Ein Bluttest in der Apotheke liefert Messwerte, keine Diagnose. Referenzwerte gelten als Orientierungshilfe und hängen vom Labor ab. Ein einzelner Wert gehört immer in den medizinischen Kontext; die Apotheke informiert und verweist bei auffälligen Ergebnissen an Ärztinnen und Ärzte.

Begriffe schnell erklärt

  • ApoVWG steht für das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz, das seit dem 2. Juli 2026 geltende Reformgesetz, das unter anderem die venöse Blutabnahme und pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken neu regelt.
  • Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) sind vergütete Leistungen der Apotheke über die Arzneimittelabgabe hinaus – künftig insgesamt zehn, davon acht ohne ärztliches Rezept.
  • Mustercurriculum ist der von der Bundesapothekerkammer und der Bundesärztekammer erarbeitete Schulungsrahmen für die venöse Blutabnahme, der spätestens zum 2. November 2026 vorliegt.
  • Schiedsstelle ist die Instanz, die innerhalb von zwölf Wochen entscheidet, wenn keine Einigung über die Vergütung neuer Leistungen erzielt wird.
  • Kapillare Messung ist die Blutgewinnung aus den feinsten Blutgefäßen, zum Beispiel mit Systemen wie Tasso+, die im Rahmen etablierter Angebote bereits heute möglich ist.

Quellen

Für Apotheken

Aniva stellt die komplette Infrastruktur für Blutdiagnostik in der lokalen Apotheke bereit – inklusive Labor, Ergebnissen, App-Bericht und Logistik. Erfahre mehr unter Aniva für Apotheken und im ApoVWG-Leitfaden.

Stand: 4. August 2026. Aniva Health Redaktionsteam, keine Gewähr. Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Bitte stimme dich vor dem Start mit deiner Landesapothekerkammer und deinem Betriebshaftpflichtversicherer ab.

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