Eine ikterische Probe ist eine Probe, deren Serum oder Plasma stark gelb bis braun gefärbt ist, weil es viel Bilirubin enthält. Das Labor vermerkt die Verfärbung, da sie bestimmte Messungen beeinträchtigen kann.
Eine ikterische Probe ist eine Probe, deren Serum oder Plasma eine kräftige gelbe, orangefarbene oder bräunliche Färbung aufweist, anstatt des üblichen blassen Strohtons. Die Farbe stammt von Bilirubin, dem Pigment, das beim Abbau roter Blutkörperchen entsteht und normalerweise von der Leber verarbeitet wird. Wenn mehr davon im Blutkreislauf zirkuliert als üblich, ist es in der abgetrennten Probe schon lange sichtbar, bevor man bei der Person, die die Probe abgegeben hat, irgendetwas bemerken würde.
Das Labor hält die Verfärbung aus technischen Gründen fest. Bilirubin absorbiert Licht in einem Bereich, den auch verschiedene photometrische Messverfahren nutzen, sodass eine stark verfärbte Probe je nach Methode zu höheren oder niedrigeren Einzelmesswerten führen kann. Moderne Analysegeräte quantifizieren die Farbe als Index neben den Ergebnissen, weshalb der Vermerk auf einem Befundbericht eine messbare Aussage über die Probe ist und kein subjektiver Eindruck. Je nach Analyten gibt das Labor den Wert dann mit einem Vermerk frei oder hält ihn zurück und bittet um eine neue Probe. Wird ein Ergebnis zurückgehalten, gibt das akkreditierte Labor an, was es benötigt, und diese Anforderung steht am Schalter nicht zur Diskussion.
Was das für eine Apotheke bedeutet: klinisch gesehen so gut wie nichts, kommunikativ gesehen aber ziemlich viel. Die Apotheke hat die Verfärbung nicht bemerkt, bewertet sie nicht und kann nicht sagen, was sie verursacht hat. Bilirubin steigt aus einer ganzen Reihe von Gründen an – manche davon sind völlig harmlos und lebenslang, andere nicht –, und um sie voneinander zu unterscheiden, braucht es einen Arzt, der die Krankengeschichte vor sich hat. Die richtige Vorgehensweise ist, den Laborvermerk mit den Worten des Labors weiterzugeben, klar zu sagen, dass er sich auf die Probe bezieht, und der Person zu empfehlen, den Befund ihrem Arzt vorzulegen. Am Schalter über Ursachen zu spekulieren, ist fehl am Platz und, falls die Vermutung in die eine oder andere Richtung falsch ist, sogar schädlich.
Es lohnt sich, den Begriff mit seinen beiden Nachbarn zusammenzufassen. Hämolyse und die lipämische Probe sind die beiden anderen Störbefunde, die als feststehende Anmerkungen in Laborberichten auftauchen, und alle drei beschreiben eher die Probe als den Patienten. Sie unterscheiden sich darin, wo sie entstehen. Eine Hämolyse entsteht meist während der Entnahme und Handhabung, eine Lipämie meist durch eine kürzlich eingenommene Mahlzeit, während eine ikterische Probe Aufschluss über die Person gibt und überhaupt kein präanalytischer Fehler ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn eine erneute Entnahme behebt die ersten beiden Probleme, ändert aber nichts am dritten.
Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.