Diagnostik in der Apotheke

Antibiogramm

In einem Satz

Bei einem Antibiogramm wird ein bereits identifizierter Erreger auf seine Empfindlichkeit gegenüber einer Reihe von Antibiotika getestet, um festzustellen, welche davon noch gegen ihn wirken. Es gibt Aufschluss über die Behandlung, nicht aber darüber, um welche Infektion es sich handelt.

Ein Antibiogramm kommt erst an zweiter Stelle. Das Labor identifiziert zunächst den Erreger in der Probe und testet diesen erst danach mit einer Reihe von Antibiotika, um festzustellen, welche davon ihn noch hemmen. Die Identifizierung gibt Aufschluss darüber, um welche Infektion es sich handelt. Das Antibiogramm gibt Aufschluss darüber, was wahrscheinlich dagegen wirkt – und das sind zwei verschiedene Fragen, die zu zwei verschiedenen Zeitpunkten beantwortet werden.

Resistenz ist der Grund, warum es den zweiten Schritt überhaupt gibt. Die naheliegende Substanz ist nicht mehr unbedingt die wirksame Substanz, und bei einem bestimmten Isolat lässt sich das nur herausfinden, indem man die Kandidaten daran testet und beobachtet, was passiert. Das ist auch der Grund, warum man die Antwort nicht schon im Voraus allein anhand des Namens des Organismus nachschlagen kann.

Der Zeitaufwand ergibt sich aus der Methode. Es muss erst etwas wachsen, bevor man etwas ablesen kann – daher dauert ein Antibiogramm Tage statt Minuten und kann niemals ein Point-of-Care-Test sein. Wenn ein Kunde am Schalter fragt, warum das Ergebnis noch nicht vorliegt, lautet die ehrliche Antwort, dass erst eine Kultur wachsen muss und dass kein noch so großer Druck diesen Vorgang verkürzen kann.

Alles, was vor dem Labor passiert, entscheidet bereits über das Ergebnis. Bei einer warm gehaltenen Urinprobe vermehren sich die falschen Erreger, und auf einem ausgetrockneten Abstrich wächst gar nichts – damit liegt das Ergebnis eher in den Händen der Präanalytik und der Probenlogistik als in denen der Analyse. Das akkreditierte Labor gibt für jede Probenart den Behälter, die Temperatur und das Transportfenster vor, und diese Anweisungen lassen keinen Spielraum für lokale Improvisation.

Die Abgrenzung ist hier ungewöhnlich klar. Ein Antibiogramm beschreibt, was unter Laborbedingungen in einer Petrischale passiert ist. Welches Antibiotikum jemand einnehmen soll, in welcher Dosis und wie lange, ist eine Verschreibungsentscheidung, die auch von der Person abhängt, die vor dem verschreibenden Arzt sitzt – daher gehört der Bericht dem verschreibenden Arzt. Ein Apothekenteam kann erklären, wozu der Bericht dient und warum die Wartezeit notwendig war. Daraus eine Empfehlung abzuleiten, ist die Aufgabe von jemand anderem.

Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.

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