Der Kaufpreisfaktor ist eine Faustregel, die den Preis einer Apotheke als Vielfaches ihres Gewinns oder ihres Umsatzes ausdrückt. Er fasst eine bereits durchgeführte Bewertung zusammen, anstatt selbst eine zu erstellen.
Der Kaufpreisfaktor ist die Kurzform, mit der ein Preis als Vielfaches ausgedrückt wird. Man sagt, eine Apotheke sei zum x-fachen ihres Gewinns oder zu einem bestimmten Anteil ihres Jahresumsatzes verkauft worden, und dieser Multiplikator macht von Gespräch zu Gespräch die Runde, als wäre er ein marktüblicher Satz. Käufer und Verkäufer greifen darauf zurück, weil es schnell geht, weil es zwei unterschiedliche Unternehmen vergleichbar erscheinen lässt und weil man sich über eine einzige Zahl leichter streiten kann als über eine Bewertung, die auf einem Dutzend Annahmen basiert.
Das Problem ist, dass es für deutsche Apotheken keinen verlässlichen öffentlichen Multiplikator gibt. Apothekenübertragungen sind private Transaktionen zwischen Einzelpersonen. Es gibt keine Börse, keine Veröffentlichungspflicht und kein Register der tatsächlich gezahlten Preise. Wenn jemand mit Überzeugung einen Multiplikator nennt, beschreibt diese Person die Handvoll Geschäfte, die sie persönlich gesehen oder vermittelt hat – diese können regional konzentriert sein, schon mehrere Jahre alt sein und stellen sicherlich keinen Markt dar. Selbst die vorhandenen Vergleichsdaten beziehen sich nicht auf Preise. Die Treuhand Hannover vergleicht in ihrem Betriebsvergleich 2026 rund 3.500 Apotheken, und dabei geht es eher um die Betriebsleistung als darum, was jemand bezahlt hat.
Die sinnvollere Korrektur betrifft die Vorgehensweise. Ein Faktor ist das Ergebnis einer Bewertung, nicht deren Ausgangsgröße. Die richtige Reihenfolge ist, zunächst die tatsächlichen Erträge zu ermitteln, dann ein Gehalt für die eigene Arbeit des Inhabers abzuziehen und schließlich den Ertragsstrom nach seinen eigenen Merkmalen zu bewerten – genau das macht das Ertragswertverfahren. Teilt man den sich daraus ergebenden Wert anschließend durch die Erträge, ergibt sich ein Multiplikator. Geht man umgekehrt vor, indem man zuerst einen Faktor wählt und multipliziert, ergibt sich eine Zahl ohne jegliche Begründung, die keine der beiden Seiten verteidigen kann, wenn sie hinterfragt wird.
Umsatzbasierte Faktoren sind noch problematischer, denn in einer Apotheke besteht der Großteil des Umsatzes aus den Anschaffungskosten der abgegebenen Arzneimittel. Zwei Apotheken mit demselben Umsatz können eine ganz unterschiedliche Umsatzrendite und ganz unterschiedliche Gewinne aufweisen, und diejenige mit der geringeren Marge ist nicht genauso viel wert. Ältere Kaufpreisstudien werden immer noch herangezogen, als würden sie die heutige Situation beschreiben, und der darin implizierte ideelle Wert hat möglicherweise nichts mit der zu verkaufenden Praxis zu tun. Wie ein Faktor zu gewichten ist, hängt von der jeweiligen Apotheke und dem Berater ab, der sie bewertet, und wie der Preis steuerlich gestaltet wird, ist Sache des Steuerberaters.
Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.