
Für die Blutdiagnostik in der Apotheke gibt es zwei Möglichkeiten: eine Kapillarblutentnahme aus der Fingerspitze und eine venöse Blutentnahme aus einer Armvene. Sie unterscheiden sich hinsichtlich des Aufwands, der erforderlichen Ausbildung und der Parameter, die zuverlässig gemessen werden können.
Kapillarblut stammt aus den feinen Äderchen der Fingerspitze oder des Oberarms und wird mit einer Lanzette oder einem kleinen Entnahmegerät entnommen. Venöses Blut stammt aus einer Armvene und wird durch eine Venenpunktion in Röhrchen entnommen. Die Kapillarblutentnahme ist unkompliziert, während die venöse Entnahme größere Probenmengen liefert, die für viele Analysen standardisiert sind.
Kapillarblut ist eine Mischung aus arteriellem und venösem Blut mit einem geringen Anteil an Gewebeflüssigkeit. Venöses Blut ist die Referenzmatrix, auf die die meisten Referenzbereiche in Laboren kalibriert sind. Für die Apotheke ist der praktische Unterschied vor allem organisatorischer Natur: Für eine Kapillarblutentnahme braucht man nur wenig Ausrüstung und keine spezielle Ausbildung für Venenpunktionen, während eine Venenpunktion geschultes Personal und einen geeigneten Raum erfordert.
Kapillarmessungen sind bereits heute im Rahmen bestehender Angebote möglich und erfordern keine spezielle Schulung für venöse Blutentnahmen. Die venöse Blutabnahme darf von zugelassenen Apothekern nach einer vom Arzt geleiteten Schulung gemäß ApoVWG durchgeführt werden. Derzeit ist nicht vorgesehen, dass Apothekenfachkräfte die venöse Blutentnahme vornehmen.
Das Apothekenreformgesetz (ApoVWG) ist seit dem 2. Juli 2026 in Kraft. Es Blutabnahme zugelassenen Apothekern nach einer ärztlich geleiteten Ausbildung die venöse Blutabnahme . Ein Musterlehrplan der Bundesapothekerkammer und der Bundesärztekammer soll spätestens bis zum 2. November 2026 vorliegen. Kapillarmethoden, wie zum Beispiel die Selbstentnahme mit einem Entnahmegerät, waren schon lange vorher und unabhängig davon im Rahmen bestehender Angebote nutzbar.
Beide Verfahren haben klare Merkmale. Eine Kapillarblutentnahme lässt sich schnell durchführen, erfordert nur wenig Ausrüstung und keine spezielle Schulung für die venöse Blutentnahme. Eine venöse Blutentnahme erfordert qualifiziertes Personal, einen geeigneten Raum und entsprechende Ausrüstung, deckt aber ein breiteres Spektrum an Analysen ab. Die folgende Übersicht fasst die praktischen Unterschiede zusammen.
| Kriterien | Kapillare | Venen- |
|---|---|---|
| Zugang | Fingerspitzen oder Oberarm, Lanzette oder Blutentnahmegerät | Armvene, Venenpunktion mit Röhrchen |
| Training | Kein Venentraining erforderlich | Zugelassene Apotheker nach einer ärztlich geleiteten Ausbildung |
| Probenmenge | Kleine Menge, für ausgewählte Analysen | Größere Menge, breites Spektrum an Analysen |
| Markteintrittsbarriere | Wenig, kaum Ausrüstung | Höher, Raum und Material erforderlich |
Kapillarblut eignet sich für viele gängige Werte, wenn die Probenentnahme und die Voranalyse reibungslos ablaufen. Bestimmte Analysen erfordern jedoch venöses Blut oder größere Probenmengen. Ob ein Marker zuverlässig aus Kapillarblut gemessen werden kann, hängt vom Analyten, der Entnahmemethode und den Richtlinien des Labors ab und sollte immer mit dem Labor abgeklärt werden.
Wie aussagekräftig das Ergebnis ist, hängt stark von der Präanalytik ab: Hämolyse, zu geringes Volumen, Verunreinigungen durch Gewebeflüssigkeit oder ein verspäteter Transport können die Ergebnisse verfälschen. Daher sollte bei beiden Vorgehensweisen ein akkreditiertes Labor das Entnahmegerät, die Liste der Analyten und die Stabilitätsvorschriften genehmigen. Referenzbereiche sind Richtwerte und hängen vom jeweiligen Labor ab. Ein einzelner Blutwert ist keine Diagnose und muss im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung betrachtet werden.
Eine Kapillarentnahme erfolgt in wenigen Schritten: Vorbereitung, saubere Probenentnahme, korrekte Kennzeichnung, versandfertige Vorbereitung für das Labor und eine Nachsorgeberatung. Der Schlüssel liegt in einer einheitlichen Voranalyse, damit die Probe im Labor verwertbar bleibt. Die folgende Reihenfolge zeigt einen typischen Ablauf.
Bei einer sauberen Präanalytik liefern Kapillarmethoden bei vielen Analysen zuverlässige Ergebnisse. Venöses Blut bleibt die kalibrierte Referenzmatrix für zahlreiche Werte. Die Zuverlässigkeit hängt weniger vom Entnahmeweg selbst ab als vielmehr von der Probenqualität, der Auswahl der Analyten und den Zulassungen des analysierenden Labors.
Fehlerquellen bei Kapillarblut sind vor allem ein zu geringes Volumen, Hämolyse durch zu starkes Ausdrücken und Verdünnung durch Gewebeflüssigkeit. Wenn du sauber arbeitest und eine Reihe von Analysen verwendest, die für das jeweilige Entnahmegerät validiert sind, sind die Ergebnisse für die zugelassenen Werte brauchbar. Bei Grenz- oder ungewöhnlichen Werten ist die Beurteilung durch einen Arzt – gegebenenfalls mit einer venösen Kontrolle – der richtige Weg.
Für die venöse Blutabnahme sind derzeit keine PTAs geplant. Das ApoVWG erlaubt zugelassenen Apothekern die venöse Blutentnahme nach einer ärztlich geleiteten Schulung. Kapillarmethoden wie die angeleitete Selbstentnahme mit einem Entnahmegerät sind organisatorisch einfacher umzusetzen und erfordern keine Schulung zur venösen Blutentnahme.
Nein. Die kapillare Blutentnahme ist bereits heute im Rahmen der etablierten Angebote möglich und erfordert keine venöse Schulung gemäß ApoVWG. Die vom Arzt geleitete Schulung und der im Reformgesetz vorgesehene Musterlehrplan beziehen sich auf die venöse Blutabnahme zugelassene Apotheker.
Teilweise. Viele gängige Werte lassen sich per Kapillarblut messen, wenn das Entnahmegerät und die Voranalyse darauf abgestimmt sind. Für manche Analysen wird venöses Blut oder eine größere Probenmenge benötigt. Welche Marker zuverlässig per Kapillarblut gemessen werden können, legt das analysierende Labor fest und sollte vor der Beauftragung geklärt werden.
Nein. Eine Messung in der Apotheke liefert zwar Anhaltspunkte, ist aber keine Diagnose. Referenzbereiche sind Richtwerte, die vom jeweiligen Labor abhängen. Ungewöhnliche oder grenzwertige Ergebnisse sollten im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung betrachtet werden. Die Apotheke kann dich informieren, dir die Ergebnisse erklären und dir bei Bedarf eine ärztliche Untersuchung empfehlen.
Die Präanalytik. Ob kapillare oder venöse Entnahme – entscheidend sind ein ausreichendes Probenvolumen, eine saubere Handhabung, die korrekte Kennzeichnung sowie ein zeitnaher und stabiler Transport zum akkreditierten Labor. Fehler bei der Probenentnahme oder beim Versand haben oft größere Auswirkungen auf die Aussagekraft als die Wahl zwischen den beiden Entnahmewegen.
Aniva die komplette Infrastruktur für die Blutdiagnostik in der Apotheke: Labor, ärztliche Auswertung, App-Bericht und Logistik. Mehr dazu erfährst du unter Aniva Apotheken “ und im Beitrag „Diagnostik in der Apotheke“.
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