Diagnostik in der Apotheke

Diagnostische Lücke

In einem Satz

Die diagnostische Lücke ist der Zeitraum zwischen einer Ansteckung und dem Zeitpunkt, zu dem ein Test diese nachweisen kann. Eine Probe, die innerhalb dieses Zeitraums entnommen wird, kann negativ ausfallen, obwohl die Infektion bereits vorliegt.

Jeder Test hat einen Zeitpunkt, vor dem er noch keine Antwort liefern kann. Der Körper braucht Zeit, um das zu produzieren, wonach der Test sucht; daher misst eine zu früh entnommene Probe einen Zustand, der sich noch nicht entwickelt hat. Die Zeitspanne zwischen der Exposition und dem zuverlässigen Nachweis ist die „diagnostische Lücke“, und sie ist bei jedem Test und jedem Analyten unterschiedlich.

Das ist das Wichtigste, was ein Apothekenteam über Vorsorgeuntersuchungen wissen muss – und zwar aus einem einzigen Grund: Ein negatives Ergebnis innerhalb des Zeitfensters ist keine Entlastung, und es als solche zu betrachten, ist der Fehler, der echten Schaden anrichtet. Die ehrliche Aussage lautet: Der Test kann diese Frage noch nicht beantworten – und erst dann, wenn er es kann.

Zwei Konsequenzen für die tägliche Arbeit. Das Labor legt den Zeitrahmen fest, nicht die Apotheke, und das akkreditierte Labor hält dies in seiner eigenen Dokumentation für jede Analyse fest. Und die Frage nach dem Zeitpunkt muss vor der Probenentnahme gestellt werden und nicht erst, nachdem das Ergebnis vorliegt – damit gehört sie zur Präanalytik und nicht zur Besprechung der Befunde.

Diese Lücke erklärt auch, warum sowohl ein reaktives Testergebnis als auch ein negatives Ergebnis eine Wiederholung erfordern können. Im einen Fall ist ein Bestätigungstest nötig, im anderen muss derselbe Test später noch einmal durchgeführt werden. Beide werden einem Arzt übergeben und keines der beiden Ergebnisse wird am Schalter ausgewertet.

Die Länge des Zeitfensters ist eher eine Eigenschaft der Methode als der Einstellung. Ein Schnelltest und eine Laboranalyse derselben Infektion können sehr unterschiedliche Zeitfenster aufweisen, und diese Angabe findest du in der Dokumentation des Herstellers. Stoffwechsel- und Nährstoffwerte verhalten sich ganz anders, weshalb die Frage erst dann entscheidend wird, wenn ein Infektionsscreening auf dem Tisch liegt.

Es gibt eine einfache Möglichkeit, das in einem Gespräch klar zu halten. Frag, wann das Ereignis, über das sich der Kunde Sorgen macht, passiert ist – und zwar bevor du den Test auswählst, nicht danach. Wenn das Datum in den vom Labor angegebenen Zeitraum fällt, ist es besser, den Termin zu verschieben, als ihn beizubehalten – und das zu sagen, ist ein Service und kein entgangener Verkauf.

Dieser Glossareintrag enthält allgemeine Informationen zum deutschen Apothekenrecht und zur Apothekenpraxis. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte zu deiner eigenen Apotheke wende dich bitte an deine Landesapothekerkammer.

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